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io new management vom 19.02.2010
Beatrice Brenner, 13942 Zeichen
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Monats-Interview: «Ich habe weder ein eigenes Büro noch eine Sekretärin»
 
Bobby Dekeyser, Gründer und Chairman des Gartenmöbelherstellers Dedon, hat viele Ideen. Sein Erfolgsrezept, damit aus Visionen erfolgreiche Geschäftsmodelle werden: Familie, Wohlfühlen, Vertrauen und Durchhaltewillen.
 
Mit 16 Jahren die Schule abgebrochen – eine schwere Verletzung als Torhüter von TSV 1860 München – erfolgreicher Unternehmer: Das sind Stationen im Leben von Robert Marc Paul Dekeyser, die ihn geprägt haben. Als Quereinsteiger in der Wirtschaft zu Beginn belächelt, hat er heute viele Nachahmer: Die Luxusgartenmöbel der deutschen Firma Dedon werden zu Tausenden kopiert. Mit der Stiftung «Dekeyser & Friends» haben der gebürtige Belgier und seine Familie in Hermance bei Genf Fuss gefasst. Gerne zieht er Parallelen zwischen Sport und Unternehmertum. Er selbst sieht sich als Motivator. Von seinem Gegenüber fordert er viel, versteht es aber gleichzeitig, viel zu bewegen.

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Herr Dekeyser, warum haben Sie den Anteil an Dedon, den Sie vor drei Jahren an den Grossaktionär Summit Partners verkauft haben, im vergangenen Herbst zurückgekauft?

Wir hatten ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie eine Krise zu meistern ist. Das passte nicht zusammen. Solange die Sonne schien, funktionierte die Zusammenarbeit. Doch als die Krise auch den Luxussektor traf, drifteten die Meinungen auseinander. Unsere Partner – vielleicht aber generell Finanzinves- toren – denken insbesondere in einer solchen Phase kurzfristig. Die Kosten müssen um jeden Preis gesenkt werden: das heisst beispielsweise Marketing- und PR-Ausgaben kürzen, die Produktion in Billiglohnländer verlagern und immaterielle Leistungen für Mitarbeiter streichen. Ich selbst bin der Meinung, dass man – analog zum Fussballspiel, wenn die Mannschaft im Rückstand ist – gerade in Krisenzeiten vorwärtsgehen, investieren und Neues wagen muss. Nur so ist man gerüstet für den Aufschwung.

Hat sich bei Dedon etwas verändert, seit Sie wieder alleine das Sagen haben?

Mich überrascht selbst, welche Fortschritte wir in dieser kurzen Zeit erzielen konnten. Allein die Tatsache, dass das alte Team wieder zurück ist, hat unglaublich viel blockierte Energie freigesetzt. Jetzt geht es wieder um Ideen und nicht mehr um Politik und Macht. Als neuen Geschäftsführer hab ich Hervé Lampert ernannt, einen Mitarbeiter, der das Unternehmen seit Anfang kennt. Ich bin Chairman und bestimme die Rahmenbedingungen. Die Umsetzung ist nicht meine Sache, ich übertrage sie lieber meinen Mitarbeitern.

Gab es noch weitergehende Veränderungen?

Ja, mit dem Rückkauf übernahm ich hohe Schulden. Inzwischen habe ich alle Bankverpflichtungen aufgelöst. Mit den Banken habe ich freundlich, aber zäh verhandelt. Nur wenn ich das Risiko selbst trage, kann ich es auch steuern. Die Kultur der Investmentbanker passt mir gar nicht. Diese Geldgier, in kurzer Zeit mit Fremdkapital hohe Renditen zu erzielen, macht krank und schadet der Wirtschaft.

2009 haben Sie zudem die Stiftung «Dekeyser and Friends» gegründet. Investieren Sie mehr Zeit in Ihr Geschäft oder in die Stiftung?

Derzeit arbeite ich etwa 70 Prozent für Dedon und 30 Prozent für die Stiftung. Langfristig muss das Verhältnis umgekehrt sein. Allerdings arbeite ich nicht sehr strukturiert. Ich bin dort, wo es mich gerade braucht. So habe ich weder ein eigenes Büro noch eine Sekretärin. Wo ich bin, bin ich Gast. Ich bringe Ideen und Optimismus ein. Die Mitarbeiter wissen, dass ich ihnen in der Umsetzung freie Hand lasse. Sie wissen aber auch, dass ich ihnen vertraue, hinter ihnen stehe und bei Bedarf für sie da bin. Die Zusammenarbeit basiert immer auf Freundschaft, das ist für mich zentral.

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass Mitarbeiter Ihr Vertrauen missbrauchen?

Das würde ich sofort fühlen. Herrscht schlechte Stimmung, ist etwas nicht in Ordnung. Wenn die Chemie stimmt, ist man ehrlich zueinander. Zusammenarbeit, die auf Vertrauen basiert, bedeutet auch, aus Fehlern lernen. So wie man es vorlebt, bekommt man es zurück.

Was heisst das für die Führung?

Manager, die kurzfristige Ziele verfolgen, machen Druck auf die Mitarbeiter. Das hat zur Folge, dass Angst und Kontrolle dominieren. Ich mache genau das Gegenteil. Die Zusammenarbeit beruht auf Begeisterung, Leidenschaft und Ehrlichkeit. Die Mitarbeiter müssen sich gegenseitig respektieren. Das wird leider in der heutigen Arbeitswelt viel zu selten ehrlich gelebt. Viele Leute versuchen laufend einen Vorteil für sich auszumachen. Zentral ist auch der gegenseitige Austausch. Ich will nicht den grossen Chef spielen, sondern mit jedem Mitarbeiter, sei es der Finanzchef oder ein Lagerist, einen ehrlichen Dialog führen können. Transparent kommunizieren ist ebenfalls wichtig. Die Mitarbeiter müssen wissen, wieso wir was tun.

Wie finden Sie die Mitarbeiter, die zu Ihnen passen?

Das ist reine Gefühlssache. Ich mache ein Beispiel: Meine Frau hab ich mit 15 Jahren zum ersten Mal gesehen und mich sofort in sie verliebt. Doch damals hatte sie einen Freund. Vier Jahre später kreuzten sich unsere Wege wieder. Die Gefühle für sie waren immer noch dieselben. So hab ich sie gleich am ersten Tag gefragt, ob sie mich heiraten wolle. Ein halbes Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken. Dieses «richtige Gefühl» kann man nicht erklären. Wenn es da ist, sei es für die richtige Frau, sei es für Freunde oder Mitarbeiter, muss man ihm nachgeben.

Was machen Sie, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihr Gefühl doch getäuscht hat?

Früher dachte ich, ich könnte Leute verändern. Aber das geht nicht. Heute spreche ich Probleme frühzeitig an. Besser es kommt zur Trennung, als wenn die schlechte Stimmung über eine lange Zeit anhält.

Ihnen ist die gute Stimmung im Unternehmen wichtig. Was haben die Mitarbeiter davon?

Der Firmensitz von Dedon war über Jahre bei uns zu Hause. Meine Tante, die immer noch mit uns wohnt, hat für alle gekocht. Wir waren wie eine Familie. Diese Wohlfühl-Atmosphäre habe ich in der Wachstumsphase von Dedon kultiviert und sogar ausgebaut. Heute gibt es für die Mitarbeiter Sportangebote, Yogakurse, aber auch regelmässig Firmenfeste. Wir sind immer noch eine grosse Familie.

Dedon produziert vorwiegend auf den Philippinen. Profitieren diese Mitarbeiter von ähnlichen Angeboten?

Es gibt schon Unterschiede. Yogakurse sind auf den Philippinen kein Thema, dafür sind Tanzkurse sehr beliebt. Auf den Philippinen geht es zudem um grundsätzlichere Probleme. Wir mussten beispielsweise eine Lösung finden, damit die Flechter, hauptsächlich Männer, ihren Lohn nicht in Schnaps inves- tierten. Heute haben auch deren Frauen Zugriff auf den Lohn. Wir arbeiten auch mit den gleichen Sicherheitsstandards wie in Deutschland oder bringen die Mitarbeiter mit eigenen Bussen zur Arbeit.

Soziales Engagement ist Ihnen also wichtig. Haben Sie deshalb die Stiftung
«Dekeyser and Friends» gegründet?

Ja. Unternehmer sollten nicht nur nehmen, sondern auch geben. Ich hatte das Glück, dass ich meine Ideen verwirklichen konnte. Nicht zuletzt, weil ich bereits in jungen Jahren mit dem Fussball genügend Geld verdiente. Mit der Stiftung will ich jungen Leuten ermöglichen, dass sie ihre Ideen umsetzen können. Dabei werden die Jugendlichen aus den verschiedensten Kontinenten von erfahrenen Leuten unterstützt.

Sie haben immer Zettel und Schreibzeug zur Hand. Weshalb?

Ich notiere laufend Ideen, die mir einfallen. Wenn ich auf etwas reagiere, schreibe ich es auf. Das sind meistens Sachen, die mich überraschen. Wenn ich beispielsweise in einem guten Restaurant esse, ist es nicht nur die Mahlzeit, die mir in Erinnerung bleibt, sondern der lustige Witz des Kellners. Genau das müssen Unternehmen machen. Sie müssen mit Produkten und Dienstleistungen überzeugen und eine emotionale Bindung zum Kunden aufbauen. Das wird zunehmend zu einer grösseren Herausforderung, je grösser die Firma wird.

Wie wird aus einer Idee ein Projekt?

Wenn ich meine Ideen bündle, kristallisieren sich neue Geschäftsideen heraus. Diese diskutiere ich mit verschiedenen Mitarbeitern und weiteren Leuten. Dabei gehen wir auch bei einem vielversprechenden Ansatz nicht ins Detail. Businesspläne langweilen mich. Spannung muss bleiben. Dann schauen wir, wer was machen will. Nach einer Weile ziehen wir Bilanz. So ist Dedon entstanden und grösser geworden, ohne künstliche Wachstumspläne. Ich inves- tiere gerne in neue Projekte. Ich hab Spass daran, wenn das Geld im Umlauf ist. Da ich die Firma fast alleine besitze, kann ich mir auch Fehler erlauben.

Welche Ideen diskutieren Sie gerade?

Derzeit arbeiten wir daran, Dedon Places ins Leben zu rufen. Es geht um neue Urlaubsangebote. Der Gast kocht beispielsweise im Hotel mit. Die Lokalitäten sollen aussergewöhnlich sein. Derzeit prüfen wir den Kauf eines alten Zollhauses in Hamburg und den Erwerb einer Insel auf den Philippinen. Geplant sind Aktivitäten in der Schweiz, in Deutschland, in den USA und auf den Philippinen. Für dieses Projekt arbeite ich mit meinem Freund Philippe Frutiger zusammen, der das Fünf-Stern-Hotel Giardino in Ascona leitet. Mit an Bord ist auch der Rolex-Erbe Daniel Borer, ebenfalls ein guter Freund. In diesem Zusammenhang diskutieren wir, ob er sich am Aktienkapital von Dedon im Umfang von zirka 20 Prozent beteiligen wird.

Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist, hat man Energie. Die Grenzen zwischen Familie und Beruf sind fliessend. Zwei Schwestern und zwei Schwager arbeiten bei Dedon, viele Mitarbeiter sind meine Freunde. Für Meetings reisen wir im Familienrudel, auch meine Frau und meine drei Kinder sind oft dabei. Auf der anderen Seite ignoriere ich alle, die negative Energie ausstrahlen wie Nörgler und Pessimisten. Zudem achte ich auf gesunde Ernährung und viel Sport.

Dennoch: Wie grenzen Sie sich ab?

Ich spüre, wenn ich müde bin. Dann zie-he ich mich am liebsten in die Natur zurück. Mit Sport halte ich mich mental fit. Ich bin mir auch in turbulenten Zeiten immer treu geblieben: wenn ich arbeite, geb ich Vollgas. Das hält aber niemand sieben Tage die Woche durch.

Und wie handhaben Sie die heutigen Kommunikationsmittel, mit denen man 24 Stunden pro Tag erreichbar ist?

Mein Telefon klingelt kaum. Mein Umfeld weiss, dass ich nicht gerne telefoniere. E-Mails beantworte ich schon. Aber meine Leute wissen, dass ich über Details nicht informiert sein will. Im operativen Geschäft melden sie sich nur, wenn sie mich wirklich brauchen. So kann ich mich zur Hauptsache auf die neuen Projekte konzentrieren und Kontakte knüpfen.

Was können andere Führungsleute von Ihnen lernen?

Dass man sich immer wieder die Zeit nimmt, um zu prüfen, ob man sich selbst treu geblieben ist. Das mache ich ehrlich und regelmässig. Zudem soll man Leuten, denen man sich nahe fühlt, volles Vertrauen schenken.

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Führungsgrundsätze von Bobby Dekeyser

1. Mit Leidenschaft dabei sein
2. Sich gegenseitig respektieren
3. Fehlerkultur leben
4. Transparent kommunizieren

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Zur Person

Als 16-Jähriger stand Bobby Dekeyser im Englischunterricht auf und sagte, er werde Fussballprofi. Der Grund: Als Fussballer könne man Frauen
imponieren. Mit 19 Jahren bekam der gebürtige Belgier seinen ersten
Profivertrag. Vom FC Bayern München. Mit 26 Jahren wurde er in einem Spiel schwer verletzt. Noch während der Genesung entschied Dekeyser Unternehmer zu werden. Ohne weitere Ausbildung. Für den heute 45-Jährigen steht die Familie im Zentrum. Er ist seit 23 Jahren mit seiner Frau Ann-Kathrin verheiratet. Gemeinsam haben sie die drei Kinder Carolin, Yannick und Marie. Dekeyser liebt es, viele Leute um sich zu haben. So wohnen auch eine Tante und ein Onkel im selben Haus in Hermance wie die Familie Dekeyser. Der Ort ist zufällig gewählt. Auf Bali haben Freunde
Dekeysers erzählt, dass die Schweiz ein schönes Land sei. Worauf sie,
sowieso auf Wohnungssuche, den Umzug in die Schweiz planten. Bei der Häuserbesichtigung in Zürich regnete es, in Genf schien die Sonne, Dekeysers blieben. Der ehemalige Fussballer wird meist von seinem
Labrador begleitet.

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Zum Unternehmen Dedon

Das 1990 von Bobby Dekeyser gegründete Unternehmen mit Sitz im deutschen Lüneburg gehört heute zu den weltweit führenden Anbietern von exklusiven Outdoor-Möbeln. Die ersten Jahre waren allerdings schwierig, Ende der Neunzigerjahre gelang der Durchbruch. Die Dedon-Möbel werden von internationalen Designern wie Philippe Starck entworfen, nach deutschen Qualitätsstandards produziert und in traditioneller Handarbeit von Flechtern auf der Philippineninsel Cedu gefertigt. Dedon beschäftigt über 3000 Mitarbeiter. Seit kurzer Zeit wird in der Entwicklung eng mit dem Bieler Unternehmen Creaholic zusammengearbeitet. Umsatz- und Gewinnzahlen werden keine bekanntgegeben. Das Unternehmen ist ganz im Besitze der Familie Dekeyser. 2006 beteiligte sich die amerikanische Investmentgesellschaft Summit Partners mit 49 Prozent an Dedon. Weil die Strategien, wie man die aktuelle Krise meistern soll, nicht übereinstimmten, kaufte Dekeyser im September 2009 die Firma zurück. Der Name Dedon setzt sich aus Dekeyser und Donapai zusammen. Brando Donapai ist Dekeysers Schwager und noch heute ein enger Vertrauter im Unternehmen.

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Zur Stiftung «Dekeyser and Friends»

Die im Frühjahr 2009 gegründete Stiftung mit Sitz in Hermance bei Genf verfolgt das Ziel, Jugendliche im Alter von 18 bis 28 Jahren zu
motivieren und zu unterstützen, ihre Ideen umzusetzen. In den ersten Monaten wurden bereits ein Museums- und ein Tanzprojekt durchgeführt. Als «Friends» figurieren Persönlichkeiten wie der Skirennfahrer und Olympiasieger Markus Wasmeier oder der international
bekannte Tänzer und Choreograph Mustafa Erdogan. Das Startkapital von 5 Millionen Euro hat Bobby Dekeyser in die Stiftung eingebracht. Mit im Advisory Board ist Adolf Ogi. Ab 2012 sollen jährlich 10 Prozent vom Gewinn von Dedon in die Stiftung fliessen.

 
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