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io new management vom 02.07.2010
MARTIN SCHNEIDER, 9830 Zeichen
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Interimsmanagement: Die «geliehenen Manager» – längst nicht mehr nur ein Notnagel
 
In welchen Situationen der Einsatz eines Interim-Managers sinnvoll ist und was dabei zu beachten ist.
 
In Kürze

Längst sind die Manager auf Zeit nicht mehr nur harte Restrukturierer oder Vertretungen im Krisenfall. Immer mehr Unternehmen holen sie sich als professionelle operative Hilfe und Know-how-Träger von aussen. Der Interim-Manager agiert als Projektleiter im Ausland, als Finanz-experte oder als vorübergehender CEO. Der Autor zeigt auf, welche Regeln zu beachten sind, damit sich der Einsatz eines Interim-Managers für alle Beteiligten lohnt.

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Interim-Manager sind Experten für heikle Angelegenheiten. Sie sind innerhalb weniger Tage einsatzbereit und können Überdurchschnittliches leisten. Bei Restrukturierungen, Spezialprojekten oder Auslandseinsätzen kommt heute kaum ein Unternehmen mehr an Interim-Managern vorbei, wenn eine effiziente, nachhaltige und möglichst fehlerfreie Lösung angestrebt wird. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Jahren wird ihr Anteil in der Schweiz heute auf rund 4000 geschätzt.

Die Schweiz gilt als Pionierland des professionellen Interim-Managements im deutschsprachigen Raum. Den ers-ten Anbieter gab es bereits 1979. Genaue Studien fehlen, Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass in der Schweiz über tausend Projekte pro Jahr mit der Hilfe eines Interim-Managers durchgeführt werden. Die langjährige Wachstumsrate im Interim-Management-Markt liegt bei rund fünfzehn Prozent. Im Ausland, besonders im osteuropäischen und asiatischen Wirtschaftsraum, steigt die Zahl der Einsätze von Interim-Managern noch schneller. Anstatt wertvolles Humankapital vom Heimatstandort abzuziehen, engagieren Unternehmen vermehrt einen operativen Spezialisten auf Zeit vor Ort. Der Interim-Manager wird so zum Wegbereiter, bis der neue Standort oder die neue Produktion gesichert ist und der interne Projektleiter die Geschäfte übernehmen kann.

Die Einsatzgebiete von Interim-Managern sind so vielfältig wie die verschiedenen Aufgaben in einem Unternehmen. Grundsätzlich aber macht deren Anstellung bei einmaligen Projekten oder anspruchsvollen Sondereinsätzen am meisten Sinn. In diesen Situationen sind erfahrene Projektleiter und gute Führungskräfte mit Umsetzungsstärke gefragt. Eigenschaften, die Manager auf Zeit zwingend mitbringen müssen. Der Interim-Manager ist in den meisten Fällen innerhalb von wenigen Tagen einsatzbereit, was für ein Unternehmen in einer schwierigen Lage oft entscheidend ist. So bleibt es handlungsfähig und kann seiner Geschäftstätigkeit nachkommen, ohne wertvolle Zeit zu verlieren. Diese Notsituationen können beispielsweise personelle Lücken im Management oder temporäre Engpässe im Linien- und Projektmanagement sein. Auch bei ungelösten Nachfolgeregelungen kann es von Vorteil sein, auf diese Weise genügend Zeit für eine sorgfältige Ausarbeitung von Lösungen zu gewinnen. Das Unternehmen profitiert von der jahrelangen Branchenerfahrung und Qualifikation des Interim-Managers. Ohne sich um interne Positionen oder um seine eigene Karriere im Unternehmen kümmern zu müssen, kann er sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren. Der Blick von aussen hilft dem Unternehmen zudem, bestehende Strukturen zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu erkennen.
Im Ausland entscheiden oft wenige Monate über den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts. Ohne die richtige Vorbereitung und Einsatzkräfte mit konkreter Erfahrung sind die meisten Vorhaben zum Scheitern verurteilt oder werden für das Unternehmen zu einem kostspieligen Unterfangen. Eigene Mitarbeiter mit einem Einsatz im Ausland zu betrauen empfiehlt sich nur, wenn der oder die Betroffene nicht nur das entsprechende Fachwissen mit sich bringt, sondern auch über die nötige Erfahrung im jeweiligen Land verfügt. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme, ist das Verständigungsproblem auf fachlicher Ebene weit weniger ein Problem. In der Elektroindustrie zum Beispiel macht es in der Regel keinen Unterschied, ob ein Manager aus der Schweiz oder aus Thailand kommt. Die technische Sprache ist auf der ganzen Welt die gleiche, die Experten verstehen sich. Missverständnisse entstehen hingegen im Bereich Führung und Kultur. Hier gibt es grosse Unterschiede: So spielen in Asien Vertrauen und ein gewisses gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis eine zentrale Rolle. Verträge sind generell immer nachverhandelbar, wenn sich die Umstände ändern. Das muss man wissen und entsprechend damit umgehen können, ansonsten besteht das Risiko, den Geschäftspartner vor den Kopf zu stossen und das Projekt zu gefährden.

Hier macht es Sinn, sich für die Aufbauphase einen ausgewiesenen Interim- Manager auszuleihen. Er kennt das Land, die Gepflogenheiten und verfügt idealerweise schon über die erforderlichen Kontakte. Zudem hilft er bei der Suche von weiterem lokalem Personal und bereitet den Weg für eine reibungslose Übergabe an einen internen Manager vor.
Es klingt simpel, aber die besten Vorhaben scheitern oft an ungenügender Vorbereitung und daran, dass mögliche Herausforderungen unterschätzt werden. Das gilt auch für die Anstellung eines Interim-Managers. Vor der Suche nach einem geeigneten Manager auf Zeit muss sich das Unternehmen im Klaren sein, was es überhaupt will und welche Fähigkeiten es dazu braucht. Je klarer die Ausgangslage und je besser die Verantwortlichkeiten definiert sind, desto schneller kann der passende Manager gefunden und eingeführt werden. Grundsätzlich gilt es, die Vorbereitungen auf die zu besetzende Funktion abzustimmen.
Das heisst konkret: Wird der Interim- Manager für eine Einzelaufgabe eingesetzt, zum Beispiel im Controlling oder im Supply Chain Management, muss sich nur die entsprechende Abteilung auf die neue Situation vorbereiten. Soll das Unternehmen vorübergehend von einem externen Manager gesamthaft operativ geleitet werden, muss die gesamte Belegschaft informiert und alle direkt unterstellten Linienmanager müssen im Speziellen vorbereitet werden. Ist der Interim-Manager einmal «installiert», liegt es an ihm, Probleme zu klären und die Aufgaben entsprechend ihren Prioritäten in Angriff zu nehmen. Es gehört zu seinem Anforderungsprofil, dass er nicht nur die erforderlichen fachlichen, sondern auch die entsprechenden sozialen Kompetenzen mit sich bringt, um sich schnell in die Unternehmenskultur einzuleben und mit den internen Strukturen zurechtzukommen.
Es gibt auch Ausnahmesituationen, die eine sofortige Übernahme der Geschäftsführung oder Bereichsleitung erfordern, und in denen eine vorgängige Einführung nicht möglich ist. Hier muss auf die Kompetenz und die Erfahrung des Interim-Managers vertraut werden, der sich in solchen Situationen aus dem Stand heraus selber zu organisieren versteht.

Mitarbeiter profitieren vom Wissen des Interim-Managers

In der Regel schätzen Mitarbeiter die Erfahrung und das Know-how eines Interim-Managers und profitieren selbst davon. Die interne Kommunikation muss zwar jede Verunsicherung ernst nehmen, aber gleichzeitig klarstellen, dass der Interim-Manager zum Wohle des Unternehmens eingestellt wurde und diesem einen echten Mehrwert bietet. In Ausnahmefällen – zum Beispiel bei längeren Restrukturierungs- oder Change-Aufgaben – kann es jedoch sinnvoll sein, den zeitlich befristeten Einsatz des Managers bewusst nicht zu kommunizieren, sondern ihn als neuen Mitarbeiter mit einer bestimmten Funktion und Aufgabe vorzustellen. Über die konkrete Vorgehensweise entscheidet in der Regel die Geschäftsleitung gemeinsam mit der Unternehmenskommunikation.

Eine hundertprozentige Erfolgsgarantie gibt es nie. Erfahrungsgemäss erhöht aber der Einsatz eines erfahrenen Interim-Managers die Erfolgschancen eines Projekts wesentlich. Um sicher zu stellen, dass der beste Manager für die anstehende Aufgabe zum Einsatz kommt, sind einige Punkte zu beachten. Hat das Unternehmen seine Ziele und die ersten Meilensteine definiert, muss es sich auf die Suche nach dem geeigneten Interim-Manager machen. Professionelle Provider spielen für ein Unternehmen in der Vorselektion der geeigneten Führungskraft eine wichtige Rolle, da diese die Separierung zwischen beratungsorientierten und umsetzungsstarken Einzel-Persönlichkeiten bereits gemacht haben.
Ein Interim-Manager, der über einen Provider angestellt wird, durchläuft vor seiner Aufnahme in dessen HR-Pool einen mehrstufigen Aufnahmeprozess. Bei Providern mit einem hohen Qualitätsanspruch werden von allen Bewerbern nur rund fünfzehn Prozent in den Pool aufgenommen. Dabei achtet der Provider nicht nur auf einen einwandfreien Lebenslauf, sondern auch auf des Bewerbers konkrete Erfahrungen im In- und Ausland, sein Fachwissen in bestimmten Bereichen, seine bisherigen Führungsaufgaben und nicht zuletzt auf seine sozialen Kompetenzen. Der Aufnahmeprozess durchläuft mehrere Phasen, in denen Referenzen eingeholt und Intensivgespräche mit dem Kandidaten durchgeführt werden. Nur so kann der Provider die entsprechende Qualität sicherstellen.

Gute Interim-Manager sind überqualifiziert

Kommt ein Interim-Manager zum Einsatz, ist dieser in Hinblick auf seine Aufgabe in der Regel überqualifiziert. Diese Überqualifikation wird bewusst angestrebt, denn ein Interim-Manager muss in der Zeit, in der er für ein Unternehmen tätig ist, Enormes leisten. Seine Branchen- und Fachkenntnisse sowie seine Führungserfahrung in verschiedenen Umgebungen sind dabei essenziell. Nur durch seine herausragenden Fähigkeiten kann er seine Arbeit zur Zufriedenheit des Unternehmens lösen. Wichtig ist auch, dass der Manager in die Unternehmenskultur passt. Der Auftraggeber im Unternehmen führt regelmässige Feedbackgespräche mit dem Interim-Manager wie auch mit dem Provider. Seine Erwartungen werden so immer wieder neu abgesteckt und der Fortschritt des Projekts überprüft. Zudem ist es wichtig, mögliche Wahrnehmungsunterschiede im täglichen Handeln sofort zu beseitigen.

 
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